Jungsteinzeitliche Siedlungsreste in einem Weingarten in Aigen bei Göttweig
Erstellt von Fabian Benedict am 22. Nov. 2021
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Überblick über die neu angelegte Weingartenterasse und dem freigelegtem Profil mit jungsteinzeitlichen Befunden.Martin Obenaus / Gemeinfrei
Beschreibung
Bei der Vergrößerung einer Weinbergterrasse in der Katastralgemeinde Aigen bei Göttweig auf der Flur „Gottschelle“ kamen mehrere Fundstücke zu Tage. Die Fundstelle liegt auf einem Plateau an dessen Südseite mehrere Terrassen zum Weinanbau angelegt wurden. Am neu entstandenen Profil im Hang zeigten sich noch Reste von Gruben, aus denen das Fundmaterial stammt. Nach Verständigung des Bundesdenkmalamtes wurde das Grundstück von Martin Obenaus von SILVA NORTICA Archäologische Dienstleistungen OG untersucht. Das insgesamt 185 Meter lange Profil wurde in den Bereich, an denen sich Verfärbungen von urgeschichtlichen Gruben zeigten großflächig überputzt und anschließend fotografiert und vermessen. Noch im Profil befindliche Funde wurden geborgen und es erfolgte eine Schichtbeschreibung der im Profil sichtbaren Strukturen, von denen insgesamt 12 festgestellt werden konnten. Das Fundgut wurde in das Endneolithikum beziehungsweise in die Kupferzeit (ca. 2.800 bis 2.200 v. Chr.) datiert. Darunter fanden sich Knickwandschüsseln mit eingesattelter Handhabe und Doppelknubben, ein schwach profilierter Topf mit lappenförmigen Handhaben, mehrere Randfragmente mit Kerbleisten und einige Silexabschläge. Bei den Gruben könnte es sich um Reste eine Siedlung handeln, wobei eines der Objekte ein Graben sein dürfte, der die Siedlung möglicherweise abgegrenzt hat. Bei den anderen Gruben handelt es sich wahrscheinlich um Kellerbereiche von Gebäuden, Speichergruben und ähnlichem. Die Fundobjekte ließen sich gut in die ältere Jevišovice-Kultur einordnen, die im ostösterreichischen Raum als „Fazies Wachberg“ bezeichnet wird und datiert etwa von 2.800 bis 2.600 v. Chr. Diese Zeitstellung passt auch zu umliegenden Fundstellen aus dieser Zeit. Auf dem sogenannten „Göttweiger Hals“, einem Höhenrücken, der etwa 370 m südlich der Fundstelle liegt, befindet sich eine befestigte Höhensiedlung derselben Zeitstellung. Gleicher Datierung ist auch eine Doppelbestattung und Reste einer eingetieften Hütte aus Furth bei Göttweig.
Quellen
Obenaus, M. KG Aigen, MG Furth bei Göttweig. Niederösterreich. Fundberichte aus Österreich 54, D1173-1179.
Karte
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Bericht
- Jahr 2015
- Maßnahme-Nr. 12145.15.01
Lage
- KG Aigen
- OG/MG/SG Furth bei Göttweig
- VB Krems (Land)
- BL Niederösterreich